St. Nikolaus

Der Name Nikolaus kommt von niké (Sieg) und laós (Volk). In Holland Sinte Klaas, in England Santa Claus.

Leben
Interessant ist, dass die meisten Legenden und Mythen über Heiligengestalten entstanden, über die am wenigsten historisch belegte Fakten bekannt sind. Die vielleicht markanteste dieser Personen ist St. Nikolaus, von dem wir wissen, dass er in der Stadt Patras in Westlykien in Griechenland, heute Südtürkei, geboren ist. Der Legende nach war das zwischen 280 - 286, es wird aber auch das Jahr 260 oder um das Jahr 250 angegeben. Von den Eltern erbte er ein erhebliches Vermögen, dieses verteilte er jedoch an die Armen. Im Jahr 300 wurde er Bischof in Myra, aber während der Regierungszeit von Dioklecian, wo die Christen im gesamten römischen Reich verfolgt wurden, wurde auch St. Nikolaus eingesperrt und in die Verbannung geschickt. Als im Jahr 313 der Kaiser Konstantin das Christentum erlaubte, wurde St. Nikolaus entlassen und konnte erneut das Bischofsamt bekleiden. Im Jahr 325 nahm St. Nikolaus an der Versammlung von Nice teil, gegen Ende seines Lebens besuchte er den Heiligen Vater in Rom. Er starb am 6. 12. zwischen 345- 352. Beigesetzt wurde er in Myra (heute Demre, Türkei), aber 1087 wurden seine Gebeine geraubt und in die süditalienische Stadt Bari verbracht, in der er der Legende nach während seiner Pilgerfahrt nach Rom haltgemacht hatte.

Kult
Sant Nikolaus wurde zu einem der verehrtesten Heiligen der Ostkirche (Gebiet des Oströmischen Reichs, später Byzanz), wo er als Verteidiger der Rechtgläubigkeit gegen die Ungläubigen verehrt wird. Von hier wurde die Verehrung gegenüber dem Heiligen an die Kiewer Rus übertragen und St. Nikolaus wurde zum beliebtesten Heiligen der orthodoxen Kirche.
In Westeuropa tritt die Verehrung des St. Nikolaus im 7. Jahrhundert auf, im 10. Jahrhundert verbreitete die Byzantinische Prinzessin Theofana, die Ehefrau des Kaisern Otto II. (967-983) diesen Kult. Der größte Verdienst an der Verbreitung des St. Nikolaus Kults hatten im 11. Jahrhundert die normannischen Seefahrer, die ihn als ihren Patron annahmen. So tauchte die Verehrung des Heiligen in Frankreich, im 12. Jahrhundert in Deutschland und im 13. und 14. Jahrundert in den Böhmischen Ländern auf. Damals entstand eine Reihe literarischer und musikalischer damit zusammenhängender Werke, z. B. die Liturgie zum St. Nikolaus (10. Jahrhundert), eine Reihe von Choral- und polyphoner Kompositionen, das Drama Die goldene Legende von Jacob de Voragine (13. Jahrhundert), die nach England als The Gilte Legende im Jahr 1438 übersetzt wurde, usw.
Im 17. Jahrhundert wurde der St. Nikolaus Kult dank der holländischen Einwanderer auch bis New York (damals New Amsterdam) getragen.


Legenden
Über den St. Nikolaus gibt es eine Reihe von Legenden und Geschichten, welche zur Grundlage für seine Verehrung wurden. Während seines Lebens nahm er sich regelmäßig Waisen, Witwen und verfolgten Menschen an. Die Kenntnis über seine Freigiebigkeit geht aus der Legende über die Beschenkung dreier Töchter eines verschuldeten Vaters hervor, dem drohte, dass sie zu Prostituierten würden. Als St. Nikolaus davon erfuhr, warf er durch das offene Fenster in drei Nächten Geldbeutel in das Schlafzimmer der Mädchen und rettete sie somit. Der Vater bezahlte die Schulden und es blieb sogar noch etwas für die Mitgift. Deshalb beten ledige Mädchen, die sich nach der Hochzeit sehnen, zum St. Nikolaus. In einigen Ländern wird er als Patron der glücklichen Ehe angesehen. Den Bewohnern von Myra half St. Nikolaus dadurch vor der Hungersnot, dass er Brotlaibe verteilte (daher Patron der Bäcker).
Während seines Aufenthalts in Bari rettete er angeblich einigen Seeleuten das Leben und wird deshalb mit dem Attribut des Ankers als Patron der Seeleute und Händler verehrt. Er rettete auch Fischer, in Mitteleuropa Fährleute, er sorgte sich um Brücken und beschützte vor Hochwassern. Der Namenstag des St. Nikolaus am 6. 12. wurde seit dem Mittelalter mit dem Glauben an Reichtum verbunden. Deshalb schlossen die Händler an diesem Tag gern komplizierte Geschäfte ab.

St. Nikolaus ist Patron

  • Russlands, Lothringens;
  • der Kinder, der Jungfrauen, der Ministranten, der Pilger und Reisenden;
  • der Händler, Advokaten, Richter, Notare, Apotheker, Gastwirte, Weinhändler, der Hersteller und Händler von Parfüm, der Matrosen, Fischer Seefahrer, Flößer, Müller, Bäcker, Korn- und Samenhändler, Metzger, Brauer, Spiritusbrenner, Sattler, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Buchbinder, Knopfmacher, Kerzenmacher, Feuerwehrmänner,
  • der Gefangenen, für eine glückliche Schifffahrt, gegen die Gefahren des Wassers und auf dem Meer, zum Wiedererlangen verlorener Gegenstände, gegen Diebe.

Traditionen
Die Volkstradition rund um den St. Nikolaus ist markant. Die Art der Nikolausbeschenkung (hinter das Fenster, in den Schornstein, in den Schuh, in den Strumpf usw.) stammt offensichtlich von der Legende über die Beschenkung der drei Töchter des verschuldeten Vaters.
St. Nikolaus (St. Nicolaus, abgeleitet Santa Claus) beschert den Kindern Geschenke zu Weihnachten in England, den USA, Schweden und in weiteren Ländern. In der tschechischen Tradition fand die Nikolausbescherung stets am Vorabend des Namenstags des Heiligen, also am 5. 12. Statt. Diese Tradition existiert bei uns seit dem Mittelalter, als Nikolausmaskenkostüme von Haushalt zu Haushalt gingen. Später wandelte sich diese Tradition zur Bescherung der Kinder.
Die Einwohner von Bari feiern ihren Festtag der Überführung des St. Nikolaus am 8. Mai, wo Feste auf dem Meer stattfinden und die Menschen in Booten zur Statue des Heiligen fahren. Am Vorabend findet ein historischer Umzug durch die Stadt statt. In Bari liegen die Gebeine in der Krypta San Nicola auf der Strandpromenade Imperatore Augusto, die zu den bedeutendsten romanischen Bauten in Süditalien zählt.
In Böhmen sind St. Nikolaus 124 Kirchen geweiht, insbesondere die Kathedrale in Èeské Budìjovice. St. Nikolaus wird als Hauptpatron der Èeskobudìjovicer Diözese verehrt. In Prag sind ihm zwei Kirchen geweiht, von denen der Höhepunkt des böhmischen Barock, die St. Nikolaus Kirche auf der Kleinseite, beachtenswert ist, die von K. I. Dientzenhofer im Auftrag von in Prag tätigen Kaufleuten und Seefahrern gebaut wurde. Neben den orthodoxen Gebieten wird St. Nikolaus bis heute in Seehandelsgebieten, insbesondere in Holland, Deutschland und in England verehrt.